Op kölsch jesaht 3

Weisheit3

“Do weede mer ald jet drihe”

Da werden wir schon etwas dran drehen.

Mit Anpassungsfähigkeit lässt sich jedes Problem umschiffen.

 

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© Birgit Maifeld
Bei seiner Hochzeit 1772 soll der Kaufmann Wilhelm Mülhens von einem Mönch ein ganz besonderes Geschenk erhalten haben: das Geheimrezept für eine Art Wunderelixier, das sowohl bei fast allen (leichten) Beschwerden angewendet werden konnte. Schon bald eröffnete er eine Manufaktur in der Glockengasse und vermarktete sein Produkt als „Aqua mirabilis”. Doch 1810 erlässt Napoleon 1810 ein Gesetz, nachdem die Rezepturen aller medizinischen Mittel veröffentlicht werden müssen, was auch für das von Franzosen besetzte Köln galt. Mülhens sollte also sein gut behütetes Firmengeheimnis preisgeben. Um daszu verhindern, ändert er kurzerhand die Strategie und verkauft das Produkt fortan als Duftwasser. Das war der Durchbruch. Nicht nur die in Köln stationierten französischen Soldaten machten das „Eau de Cologne“ in ihrer Heimat bekannt, das „Kölnische Wasser“ entwickelte sich schnell zum absoluten Verkaufsschlager und eroberte als Souvenir und Mitbringsel die ganze Welt.
Soweit die Version der Firma Mülhens. Ob das Rezept tatsächlich als Geschenk in die Hände des geschäftstüchtigen Mülhens kam, darf mit gutem Grund angezweifelt werden. Gab es doch schon seit 1709 die Kölnischwasser-Fabrik von Johann Maria Farina, der das „Aqua mirabilis“ bereits zu dieser Zeit ziemlich Gewinn bringend vermarktete. Und wie das mit erfolgreichen Produkten so ist, dauerte es nicht lange, bis Nachahmer auf die Bühne traten. Dank Gewerbefreiheit und fehlendem Produktschutz gab es zeitweise um die 100 Anbieter von Kölnisch Wasser Variationen. Doch Farina kämpfte für sein Original und war sogar maßgeblich an der Einführung des Markenschutzgesetzes beteiligt, dessen erste Eintragung dann auch das Label von Farina wurde. Mühlens musste sich daraufhin etwas Neues einfallen lassen und gab seinem Duft den heute weltberühmten Namen 4711.